«Die letzte berufliche Phase soll einvernehmlich geplant werden»

Von Reto Siffert, Spezialist Kommunikation, EPA | 04.06.2018 
 
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Ende April trafen sich Vertreter/innen des Bundes, der Kantone und der Sozialpartner an der vierten nationalen Konferenz zum Thema „ältere Arbeitnehmende“. Die Beteiligten waren sich darin einig, dass ältere Arbeitnehmende einen äusserst wichtigen Beitrag leisten, um die wachsende Fachkräftenachfrage zu decken. Deshalb soll auch ihr Potenzial genutzt werden. Doch was unternimmt diesbezüglich eigentlich die Bundesverwaltung? Doris Bösch, Expertin Personalpolitische Projekte und Diversity im Eidgenössischen Personalamt EPA, gibt Auskunft.

Auf welche Unterstützung und Instrumente können Mitarbeitende der Bundesverwaltung im letzten Abschnitt ihres Arbeitslebens zurückgreifen?

Ziel der Personalpolitik der Bundesverwaltung ist, die Mitarbeitenden bis zum ordentlichen Pensionierungsalter motiviert und leistungsfähig im Arbeitsprozess zu halten. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde ein Konzept zum Thema Übergangsmanagement erstellt. Ein wichtiger Aspekt ist die Gestaltung der beruflichen Phase vor der Pensionierung. Um die einvernehmliche Zukunftsplanung zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten optimal zu gestalten, sollen sie sich darüber in Form eines „Zukunftsgesprächs“ unterhalten. Im Weiteren fördern wir das Prinzip der Bogenkarriere.


Was erhofft man sich von diesem Zukunftsgespräch?

Es geht vor allem darum, die beruflichen Perspektiven und Wünsche der Mitarbeitenden zu ermitteln und die letzte berufliche Phase einvernehmlich zu planen. Das bedeutet, dass beide Seiten ihre jeweiligen Vorstellungen offen legen können und im Gespräch versuchen, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Aufgrund dieses Gesprächs können individuelle Massnahmen wie z. B. Teilpensionierung, Home-Office, Reduktion des Beschäftigungsgrads oder Weiterbildungen eingeplant werden.


Wie ist das Vorgehen beim Zukunftsgespräch?

Es wird empfohlen, das Gespräch mit Mitarbeitenden, die das 58. Lebensjahr erreicht haben, zu führen. Das Gespräch soll in der Regel in einem Rhythmus von 3 Jahren stattfinden. Bei Bedarf kann der Personaldienst beratend beigezogen werden. Das Gespräch ist freiwillig.

Doris Bösch vom Eidgenössischen Personalamt betreut das Thema Übergangsmanagement für die Arbeitgeberin Bundesverwaltung.
Doris Bösch vom Eidgenössischen Personalamt betreut das Thema Übergangsmanagement für die Arbeitgeberin Bundesverwaltung.

Sie haben auch den Begriff „Bogenkarriere“ erwähnt. Was verstehen Sie darunter?

Von einer Bogenkarriere sprechen wir in der Bundesverwaltung, wenn sich die Mitarbeitenden im fortgeschrittenen Berufsalter freiwillig dazu entscheiden, „einen Gang zurück zu schalten“ und Verantwortung abzugeben. Beispielsweise, indem sie sich in der Hierarchie eine Stufe zurückbewegen, etwa von Abteilungsleitenden zu Projektleitenden oder Fachexperten/-expertinnen. Das verschafft der abtretenden Führungsperson etwas mehr Freiraum und bietet Nachwuchskräften die Chance, mehr Verantwortung zu übernehmen.


Weshalb sollten ältere Arbeitnehmende denn bereit sein, freiwillig bei den Verantwortungsbereichen und beim Lohn kürzer zu treten?

Erfolgreich umgesetzt, bedeutet eine Bogenkarriere eine Win-Win-Situation. Die Life-Domain-Balance (Balance zwischen unterschiedlichen Lebensbereichen) der älteren Mitarbeitenden wird damit erhöht. Ein grosser Vorteil ist, dass die Mitarbeitenden im Gegensatz zu einer Frühpensionierung nicht komplett aus dem Berufsleben aussteigen. Sie können den Übergang in die Pensionierung individuell gestalten. Im Gegenzug profitiert der Arbeitgeber von der Kontinuität im Arbeitsprozess, da Erfahrung und Know-how in der Bundesverwaltung bleiben.

Welche Aufgaben bringt das Übergangsmanagement für Führungskräfte mit sich?

In einer ersten Phase besteht die Aufgabe der Führungskräfte darin, den Mitarbeitenden ihre noch ungenutzten Potentiale aufzuzeigen, indem sie ihnen zum Beispiel Mentorenfunktionen übertragen oder sie als Spezialisten/Spezialistinnen für Projekte einsetzen. Später, wenn sich die Pensionierung abzeichnet, müssen sie den Wissenstransfer organisieren, damit kein wichtiges Know-how verloren geht. Auch bei der Rekrutierung kommt den Führungskräften eine Schlüsselrolle zu: Sie müssen ihre allenfalls vorhandenen Vorurteile gegenüber älteren Mitarbeitenden hinterfragen und zum Thema Diversity im Team geschult werden.

Letzte Änderung 04.06.2018

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